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Es war immer noch frueh, aber seit der Eroeffnung herrschte reger Betrieb. Es hatte sich bereits eine Schlange vor ihrem ordentlichen Schreibtisch gebildet. Heute war es soweit. Nach vielen Jahren des Wartens war der Weltpass endlich erhaeltlich.
Der junge Mann der als Naechster an der Reihe war konnte sein Glueck kaum fassen. Er war zufaellig in der Naehe und sah das Poster am Eingangstor.

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Ihre Erscheinung war foermlich und sie machte einen offiziellen Eindruck. Unter ihrem Stift lag ein grosses, professionell gebundenes Buch. Innerhalb verblasster blauer Linien standen hunderte von Namen die Zeuge dieses Abschluss waren.

“Guten Morgen mein Herr, tragen Sie einfach Ihren Namen hier ein und unterschreiben Sie in dem Kaestchen daneben.”
“Sind Sie sicher dass Sie nicht irgendeinen Ausweis sehen wollen ?”, fragte er zweifelnd.
“Sie existieren doch oder nicht ?”, erwiderte sie scherzhaft.
“Ich denke schon, ja, aehm ?”
“Warum wuerde ich dann einen Beweis brauchen?”, fragte sie neugierig weiter.
“Um Betrug zu vermeiden? “ Er klammerte sich an einen Strohalm.
“Sie verstehen nicht mein Herr, oder ? Ein Betrug ist unnoetig. Jeder Einzelne auf dieser Welt hat ein Recht auf einen dieser Paesse. Es gibt sie uebrigens in rot, gruen oder blau. Welchen haetten Sie gerne ?”
“Oh, rot, danke”, antwortete er.

Sie griff nach einem kleinen roten Buechlein von einem der vorne am Tisch ordentlich bereitgelegten Stapel. Ein Aufkleber fiel muehelos auf die Tischplatte.
Die maschinengetippte Nummer stimmte genau mit der im Pass ueberein. Und mit einer geuebten Sicherheit trug sie diese in die dafuer vorgesehene Spalte neben seinen Namen in das Register ein.

“Es kostet also wirklich nichts?
“Nein”sagte sie, aber ihre Stimme zoegerte etwas.
“Im Prinzip ist der Pass voellig kostenlos. Wieso sollten Sie auch fuer etwas bezahlen was Ihr Geburtsrecht ist, nicht wahr ?”
“Richtig”, pflichtete er sofort bei. Er nahm sich kaum genuegend Zeit diese Frage auf sich wirken zu lassen.
“Aber ich drucke diese Paesse selber und sie kosten sechzig Euro pro hundert produzierter. Darum steht dort hinten eine kleine Spendendose. Es ist natuerlich voellig freiwillig aber ich wuerde es schaetzen, vor allem wenn Sie die Wichtigkeit fuer meine Arbeit sehen.Ich will damit sagen dass das Geld fuer die naechste Produktion verwendet wird.

“Ach, die werden von Ihnen selbst gemacht?”
“Ja, ich stelle sie selbst her”, bestaetigte sie.
“Dann sind sie demnach nicht echt”, entfuhr es ihm.
“Wenn Sie wollen dass sie echt sind dann sind sie es. Wenn Sie tatsaechlich wie ein Weltbuerger leben wollen; also eigentlich wenn jeder aus diesem Buch so leben wuerde, dann fuellt sich dieses Buch und das naechste, und das uebernaechste. Es waere genug Beweis um dies Realitaet werden zu lassen. Und waere es nicht wunderbar zu denken…”

“Und alle Prinzessinnen und alle Koenige wurden von haesslichen Entlein zu schoenen weissen Schwaenen aber waren…”

“Entschuldigung mein Herr, entschuldigen Sie, ihr Pass!”
“Natuerlich”. Er waere fast ohne gegangen. Sie laechelte.
“Geniessen Sie Ihre Reisen”.

Er ging auf den Ausgang zu und versuchte sich die letzten Minuten nocheinmal vorzustellen ohne wirklich zu verstehen was er gerade gehoert hatte. Aber eine gute Sache war wenigstens, dass er darueber nachdachte.

Sonya Spry
November 2002